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AFKA-Ehrenmitglied Ruth Weiss beschreibt Leben und Werk Mandelas
NELSON ROHLIHLAHA MANDELA
(1918-2013)

„Nelson“ war der Name, den seine erste – afrikanische - Lehrerin ihm
verlieh. Es musste eben ein englischer Name sein. Rohlihlaha, der Name der
Nelson Mandela zu seiner Geburt im östlichen Kap am 18.Juli 1918 von seinem
Vater erhielt, was etwa „Unruhestifter“ bedeutet, zählte nicht. Es gab
damals wenig Respekt für afrikanische Kultur. Sie konnte kaum ahnen, dass in
den 80er Jahren Lord Nelsons Denkmal im Londoner Trafalgar Square Treffpunkt
für Proteste gegen Nelson Mandelas Haft sein würde. Oder erraten, er würde
der erste schwarze Präsident der Republik Südafrikas (1994-1999) werden.
In Mandelas Geburtsjahr wurde auch der Buren „Broederbond“, der Geheimbund
gegründet, der staatliche und gesellschaftliche Strukturen infiltrierte, der
den Weg zum 1948 Wahlsieg der Nationalen Partei ebnete und die Politik
bestimmte. Diese führte zur gesetzlichen Rassentrennung, Apartheid, für
deren Bekämpfung Mandela 27 Jahren hinter Gittern verbrachte.

Trotzdem wurde er zu einem Held seiner Zeit, verehrt wegen seiner
ungewöhnlichen Führungsqualität, persönlicher Ausstrahlung, doch vor allem
für seine Bemühung für Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Mandela wurde
zum Symbol für Gerechtigkeit und Frieden in einem ungerecht geteilten Land.
Er erhielt unzählige internationale Auszeichnungen, sein Name ziert Straßen,
öffentliche Plätze und Schulen. All dies, obwohl er nach anfänglicher
Ablehnung der Gewalt, in den 60er Jahren den Mut hatte, zu akzeptieren, dass
staatliche Gewalttätigkeit nur mit bewaffnetem Kampf begegnet werden könnte.
Mandela – Madiba, wie ihn seine Freunde und Verehrer nach seinem
Stammesnamen nennen – wurde in die königliche Thembu Familie der Xhosa
geboren. Seine traditionelle Rolle als Häuptling Berater lehnte er später
ab. Er wollte Afrikaner vereinigen zum gemeinsamen Widerstand gegen den
Rassismus der herrschenden weißen Klasse. Mandela studierte auf der elitären
Afrikaner Universität Fort Hare, wo er den späteren African National
Congress (ANC) Präsident Oliver Tambo traf. Mit seinem Vetter Justice, dem
zukünftigen Thembu Regenten, flüchtete er 1941 nach Johannesburg, als
Justices Vater für beide Zwangsehen organisierte.

In Johannesburg war er drei Jahre „articled clerk“ – eine Art Lehrling –
einer Rechtsanwaltsfirma, wo er eine erste Freundschaft mit einem weißen,
jüdischen Kommunisten schloss. Er hatte sich in Fort Hare dem ANC fern
gehalten, aber in Johannesburg begegnete er dem ANC Aktivist Walter Sisulu,
der ihm nach Abschluss der Lehre und einem Bachelor Studium, den Besuch der
Witwatersrand Universität ermöglichte. Dort freundete er sich mit Indern und
weißen Aktivisten wie Ruth First und Joe Slovo an. Obwohl Kommunisten zu
seinem Freundeskreis gehörten, lehnte er den Kommunismus ab. Er trat 1942
dem ANC bei und war 1944 einer der ANC Judenliga Gründer, die Ende der 40er
Jahre die ANC Politik bestimmten.

Im Jahr 1952 war Mandela Transvaal Führer der ANC Trotzkampagne gegen
Apartheidgesetze, wurde gebannt und wurde zum ersten Mal in der weißen
Gesellschaft bekannt. Damals zogen Frauen mit ihren Kindern auf den Rücken
durch die Straßen um gegen Pässe für schwarzen Frauen zu protestieren,
Afrikaner setzten sich auf „weiße“ Parkbänke, weiße Aktivisten gingen
unerlaubt in schwarze Vororte.

Mit Tambo hatte Mandela die erste schwarze Rechtsanwaltspraxis in
Johannesburg eröffnet. 1956 war er Angeklagter – und Verteidiger - mit 155
anderen wegen Hochverrat nach einem Volkskongress und Verkündung der
Freiheitscharta. Alle Angeklagten wurden 1961 freigesprochen.
Das war nach dem 1960 Sharpeville Massaker, das zum ersten Mal Apartheid
internationale Schlagzeilen erbrachte. Mandela verschwand, verbrachte einige
Zeit illegal im Ausland wo er afrikanische Führer traf und eine
Militärausbildung genoss. Nach seiner ebenfalls illegalen Rückkehr wurde er
von der Polizei nach einiger Zeit im Untergrund aufgegriffen und zu drei
Jahren Haft wegen illegaler Grenzüberquerung verurteilt. Nach einer 1963
Razzie des geheimen Hauptquartiers des inzwischen gegründeten Militärflügels
des ANCs und der South African Communist Party (SACP), Umkonto we Sizwe
(MK), dessen Führer Mandela war, war er der Nr.1 Angeklagte des 1963/4
Rivonia Prozesses. Er und sieben andere wurden zur lebenslänglichen Haft
verurteilt. Seine berühmte Verteidigungsrede – „ich bin bereit für mein
Ideal zu sterben“ - war seine letzte bis 1990.

Mandela versank nicht in Vergessenheit. Im Gefängnis auf Robben Island
organisierte er trotz harter Arbeit und Schikanen, ein vorbildlich,
diszipliniertes Leben der politischen Gefangenen und forderte stets das
Regime heraus. Der ANC im Exil und die anti-Apartheidbewegung machten ihn
zum Symbol des Kampfes gegen das zu verabscheuende rassistische System und
zum bekanntesten Gefangenen der Welt. Apartheid und Mandelas Inhaftierung
wurden zu Dauerthemen internationaler Foren.

Sanktionen, internationale Isolation, Einfälle MK Guerillas und zunehmende
Unruhen in schwarzen Vororten, zwangen Pretoria in den 70er und 80er Jahren
zur Änderung der Politik. ANC Präsident Tambo rief aus Lusaka Afrikaner auf,
das Land „unregierbar“ zu machen. Mandela, inzwischen in ein Festland
Gefängnis verlegt, schlug der Pretoria Regierung in einem Brief vor, mit dem
ANC zu verhandeln. Präsident P W Botha konnte sich nicht dazu überwinden, er
lud den Gefangenen lediglich zu einer Tasse Tee in seine Residenz ‚Tuynhuis‘
ein – wo Mandela wenige Jahre später zum Hausherr wurde. Bothas Angebot der
Freilassung lehnte Mandela ab, da Botha die Ablehnung des Kampfes forderte.
Ab Mitte der 80er Jahre begannen zu Bothas Wut politische Besuche weißer
Südafrikaner in Lusaka beim ANC, einschließend Wirtschaftsführer. Dazu
liefen heimlich verschiedene Initiativen, manche von Einzelpersonen, um
Gespräche zwischen Pretoria und dem ANC einzufädeln. Darunter fiel auch die
Bemühung des südafrikanischen Geheimdienstes. Im Jahr 1987 waren
extremrechte Buren aufgebracht: etwa 60 Buren geleitet von dem liberalen
Politiker Dr. Frederik Van Zyl Slabbert hatten sich in Dakar mit einer ANC
Delegation unter Führung des Tambo Vertrauten Thabo Mbeki – später Mandelas
Nachfolger - getroffen.

Nicht nur unter den Weißen, auch innerhalb des ANC waren derartige Kontakte
umstritten. Eine Fraktion unterstützt von MK, befürwortete die totale
Militärniederlage Pretorias. ANC Politiker wie Tambo, Mbeki und
Generalsekretär Alfred Nzo dachten, den Befreiungsbewegungen fehlte die
Macht, einen derartigen Sieg zu erringen. Gemäßigte Führer wie Mandela
wollten vermeiden, ein zerstörtes Land und eine zutiefst gespaltene
Bevölkerung zu übernehmen.

Im Jahr 1988 wurde Mandela unter erstaunlichen Bedingungen in das
Victor-Verster Gefängnis in Paarl in ein Einzelhaus überwiesen, wo er
Besucher, Telefonate und Fax erhielt. Geheimagenten bereiteten ihn für die
Freilassung vor, fuhren ihn durch das Land, das sich während der drei
Jahrzehnte stark verändert hatte.

Ein Jahr später wurde Präsident F.W. De Klerk Bothas Nachfolger. Er entließ
1989 die Rivonia Gefangenen und legalisierte im Februar 1990 die schwarzen
Parteien und den SACP. Am 11. Februar nahm Mandela seine ersten Schritte als
freier Mann an Seite seiner zweiten Frau Winnie, von der er sich später –
1996 - scheiden ließ. Am Tag seiner Freilassung hielt er eine Rede, in der
er für Versöhnung mit der weißen Minderheit plädierte.

Schwierige Jahre der Verfassungsverhandlungen folgten ab August1990, nach
der Mandela und De Klerks Unterschreibung der „Pretoria Minute“ und Mandelas
einseitige Erklärung des Endes des bewaffneten Kampfes. Kurz darauf brach
unvorhergesehene Gewalt aus, im Konflikt des ANC mit der Independent Freedom
Party (IFP) des Zulu Chief Mangosuthu Buthelezi, der 1983 begann, als der
ANC Buthelezis Domäne „infiltrierte“. Letzterer gründete 1990 IFP, um den
ANC kein Monopol in Verhandlungen und Wahlkampf zu überlassen. In den Slums
des Vaal Dreiecks (Vereeniging, Vanderbijlpark, Sasolburg) hausten Zulu
Wanderarbeiter in Baracken für „einzelne“ Afrikaner. Buthelezi entsandte
„impis“ – Zulu Kämpfer – um diese zu unterstützen und Township Bewohner zu
überfallen. Der ANC bewaffneten letztere, sodass regelrechte Schlachten
zwischen IFP und ANC auch im Transvaal stattfanden.

Kurz nach seiner Freilassung hatte Mandela zugesagt, mit Buthelezi und dem
Zulu König einen Kranz am Grab des hoch verehrten König Shaka zu legen. Auf
Druck einer ANC Fraktion zog er das zurück, was Buthelezi nie verzieh.
KwaZulu wurde zum Schlachtfeld, auch in den Townships wütete der Konflikt,
der etwa 14 000 Opfer bis zur ersten demokratischen Wahl im April 1994
forderte. Mehr, als in 42 Apartheidjahren.

Mandela klagte, De Klerk würde nicht genügend tun, um Elemente in den
Sicherheitskräften – die dritte Kraft, wie er sagte - zurück zu halten,
Gewalt zu fördern. De Klerk erklärte, auch er würde als Verräter
angeprangert und angegriffen, die Gruppe verfolge eine eigene Politik. Die
1996-1998 von Mandela eingesetzte Wahrheit und Versöhnungskommission bewies,
dass in der Tat Kräfte innerhalb der Sicherheitskräfte illegal Gewalt
geschürt hatten. Doch auch der ANC übte Gewalttätigkeit aus.
Kritiker sehen dies als Mandelas größtes Versagen. Er verfehlte, eine frühe
Versöhnung zwischen schwarz-schwarz herbeizuführen und die Polarisierung zu
vermeiden, während er von Beginn viel Zeit mit schwarz-weißer Aussöhnung,
sowie während seiner Amtszeit im Geist des „political correctness“ verbracht
hatte.

Im April 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen mit überwältigendem
ANC Sieg statt. Nelson Rohlihlaha Mandelas Amtsantritt wurde mit
internationalen Führern umjubelt. Er empfing und wurde von der Welt
empfangen, die Geschäfte führte im wesentlichen Thabo Mbeki.
An seinem 80. Geburtstag heiratete er Graca Machel, Witwe des
mosambikanischen Präsidenten Samora Machel. Er zog sich langsam aus dem
öffentlichen Leben zurück, bleibt aber für Südafrikaner Symbol des Zements,
der sie vereint. Seine Altersschwäche und Krankenhausbesuche lösen stets
große Bestürzung aus. Südafrika ohne Madiba ist für Südafrikaner fast ein
undenkbares, anderes Land.

(Ruth Weiss in einem Artikel für den Weltfriedensdienst)
News Tags
#AFKA, #Afrika, #Mandela , #Integration, #Unterfra
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